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FRANK RAMOND - Große Jungs
Sonntag, den 28. November 2010 um 13:07 Uhr
Frank Ramond - Große JungsInterpret : FRANK RAMOND

Titel : Große Jungs

Label: SonyBmg

Bestell-Nr.: 88697593862

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Künstlerwebseite: www.frankramond.de

Veröffentlichung : 6. November 2010

Es gibt avantgardistische Spielformen in der Sprache der modernen Musik, die ihren Eingang in den deutschen Popmusik-Komplex nie richtig gefunden haben. Oder wenn dann doch einmal, so sind sie irgendwo in einer Nische hoch geschätzt, aber kaum beachtet, vor sich hin verkümmert.

Das war lange Zeit so.

Bis Frank Ramond mit seinen Inspirationen dieses apathische Allerlei aufbrach und für verschiedene Interpreten kleine, spannende Short-Storys mit verblüffenden Enden zu erzählen begann. Die einzelnen Akte kommunizierten mit anspruchsvollem Groove, die Künstler profitierten von der neuen Rezeption, bei einem Tucholsky oder Kästner Maß zu nehmen, bei einem Dylan oder Brel, und nicht Hiebe und Triebe und Liebe aufeinander zu reimen. Eine solche Kunst aus Alltäglichkeiten zu erspüren, half einer Annett Louisan und einem Roger Cicero, einer Ina Müller oder einer Barbara Schöneberger bei den ersten Schritten zum Olymp der Media-Control-Charts.

Nun hat Frank Ramond beschlossen, den Paradigmenwechsel zu wagen, die Seiten zu wechseln und seine hochsensiblen Lyrics als Singer/Songwriter selbst authentisch zu interpretieren. Dabei geht es ihm nicht um mehr Ruhm vorn am steilen Bühnenrand. Eher im Gegenteil – schon der Gedanke dort zu stehen macht ihm Angst. Ramond sagt auch: „Ich wehre mich gegen dieses Leistungsdenken, dass nur der zählt, der möglichst viel macht: Frank Sinatra, Elvis, Marlene Dietrich, haben in ihrem Leben meines Wissens keinen einzigen Song selbst geschrieben und waren dennoch große Künstler. Ich empfinde bei uns so eine Attitüde des Wettkämpfens, wenn einer viel kann, ist das toll, wenn einer ein bisschen weniger kann, ist das weniger toll. Wenn einer laut singt, ist er ein guter Sänger, wenn er leise singt, ist er ein lausiger Sänger.“

Es ist etwas anderes, was Frank Ramond dazu bewogen hat, die eigenen Texte mit in die Aufnahmekabine des Studios zu nehmen und selbst – mit leiser, akzentuierter Stimme – seine Geschichten zu erzählen, wie nur er sie selbst für sich erzählen kann. „Plötzlich ist das Korrektiv des interpretierenden Künstlers weg und man ist für alles allein verantwortlich.“ Um es platt zu sagen: Selbstverwirklichung im besten Sinne des Wortes. Im Großen und Ganzen weiß Ramond, dass er es sich mit seinem Debüt nicht leicht macht. Die klassische Mixtur aus einem tollen Texter, einem begnadeten Komponisten, von einem namhaften Interpreten gesungen und einem super Arrangeur in ein Layout gebracht, lassen einen auf der sicheren Seite wähnen.

Ramond wählte das Risiko.

Aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur oder prall wie ein Packen spannender Kurzgeschichten zwischen zwei Buchdeckeln, erzählt der Singer/Songwriter dreizehn knackige Storys aus dem Leben. Von der ersten Single-Auskoppelung „Ich zähl bis drei“ („Genauso haben meine Frau und ich unsere Kinder immer angezählt, weil das die einzig funktionierende Methode war, sie zum Handeln zu bewegen. Und irgendwann hab ich meine Frau gefragt: ‚Was machen wir eigentlich bei drei?’ und sie sagte: ‚Keine Ahnung...’), über die Reflektionen über die Zeit („Das war doch gerade neulich“) bis hin zum mit südamerikanischen Rhythmen angereichertem „Dämliche Fragen“, zu dem Frank Ramond sagt: „Ich bin zunächst in Mexiko aufgewachsen inmitten von Franzosen. Die einzige Musik, die mich damals umgab, waren Chansons von Brassens, Moustaki und mexikanische Folklore. ‚La Bamba’ rauf und runter. Mein Vater nahm Gitarren-Unterricht bei einem der Los Paraguayos. Als ich nach Deutschland kam, hörte meine Mutter Reinhard Mey und Hannes Wader. In der Oberstufe hab ich dann eine Band gegründet und versucht, Funk und Soul zu spielen. Aber das einzige Lied, das meine Mitschüler begeistert hat, war das, was ich über unseren Direktor geschrieben hatte.“

Wobei wir schon mitten in der ungewöhnlichen und abenteuerlichen Vita des Frank Ramond wären. Frank ist Sohn eines Franzosen und einer Deutschen. „Ich bin in Istanbul geboren, mein Vater war Lehrer im Auslandsdienst für Frankreich und als ich drei Jahre alt war zogen meine Eltern nach Mexiko City, weil mein Vater dorthin auf eine Schule versetzt wurde. Da blieb ich bis ich sieben war und meine Eltern sich scheiden ließen. Meine Mutter ging mit mir nach Hamburg, aber ich habe die nächsten Jahre viel Zeit in Mittelamerika bei meinem Vater verbracht.“ Mit 13 bekam er die erste Gitarre und lernte in Madrid – sein Vater lehrte inzwischen dort – die ersten Griffe auf dem Instrument. „Ich habe ein paar Jungs zusammen getrommelt und wir hatten in einem Keller angefangen zu üben. Es war meine erste Band. Das war sehr mühselig.“

Auf dem Weg zum Mann hatte Frank Ramond einige Klippen zu umschiffen: kaufmännische Lehre, Bundeswehr, elf Semester Jurastudium. Kohle kam ins Haus, indem er in seinem Kellerstudio, das er mit billigem Computerequipment eingerichtet hatte, Jingles für Privatradios produzierte. „Ich bin da jede Nacht vor dem Atari gesessen und habe programmiert.“

Die Quintessenz des Abenteuers, das Frank Ramonds Leben ist, findet sich in „Große Jungs“, dem Debüt-Album, wieder. „Ich versuche, in allem was ich selbst oder andere Menschen machen, sagen, tragen, einen Sinn zu erkennen. Wenn ich keinen erkenne, mach ich mich drüber lustig. Selbstironie bietet immer ein hervorragendes und vor allem entwaffnendes Entrée bei anderen. Leben ist für mich erleben! Wenn ich das Gefühl habe, dass nicht mehr passiert, stelle ich mich neuen Herausforderungen. Ich bin einerseits selbstbewusst, aber ich rechne immer auch mit dem Schlimmsten, das macht mich vorsichtig bei der Annäherung an andere Menschen. Ich nehme mir gerne etwas Zeit, um mein Gegenüber einzuschätzen, bevor ich mich öffne.“ Blabla, die typischen Cocktailgespräche, mag er nicht. Ironie ist seine Waffe. Zu dem ironischen Song „Prenzlauer Zwerg“ sagt er: „In einem Spielfilm fiel der Satz ‚Weißt du, was du bist? Du bist der größte Zwerg!“ und ich dachte, sich selbst relativierende Superlative – der kleinste Superlativ -, das ist ’n Lied...aber dann kam ich auf ‚Prenzlauer Berg’, weil Ironie und Protzigkeit nirgendwo so dicht beieinander liegen wie in Berlin. Der Prenzlauer Berg hingegen beherbergt die meisten Schwaben und ist somit die Berliner Hochburg des Diminutivs...weit hergeholt, aber jetzt, wo es da ist...“

Frank Ramond lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Nähe von Hamburg. Auf den ersten Blick hin ist Frank Ramond ein MannMann. Aschblondes Haar fällt in die Stirn, skeptisches Grünauge, der Mund verschlossen wie der des erfahrenen Käpt’ns, der gelernt hat, auf langen Seereisen mit sich selbst im Reinen zu sein, stoppeliges Kinn, zwei tiefe Skepsis-Falten über der Nasenwurzel. Legere Klamotten. Dazu kommt die Liebe zu Individualsportarten: „Laufen, Fitnesstraining, Windsurfen“, und die Bekenntnis: „Einmal im Monat findet bei mir in der Kellerbar der sogenannte ‚Harry-Gondy-Abend’ statt. Dort darf jeder erscheinen, der einen angewachsenen Penis besitzt. Und dann wird gesoffen.“ Ist er also, wie der Titel sagt: „Ein großer Junge“?

Ja. Und nein. „Ich bin froh in einer Beziehung zu sein. Das Leben als Single kann sehr einsam sein, gerade in einem Alter, wo alle um einen herum Familie haben.“ Und Frauen sind auch für den Singer/Songwriter Ramond das spannendste Thema: „Die Beziehungen zwischen Mann und Frau beherrschen unser ganzes Leben. Erst muss man(n) mit seiner Mutter klarkommen, dann mit seiner Frau (Freundin) und mit deren Mutter und dann mit seiner Tochter. Alles, was Männer tun, dient direkt oder indirekt dazu, Frauen zu beeindrucken oder zu versorgen. Alles was Frauen machen, dient dazu, andere Frauen zu beeindrucken oder Männer dazu zu bringen, sie zu versorgen, zu fördern, oder ihnen sonst wie behilflich zu sein. Nur mit Beziehungsstress kann ich nicht gut umgehen...ich meide ihn wie die Pest.“

Schon mal neugierig darauf gewesen, einmal einen Tag lang eine Frau zu sein?
„Ich würde meine Manolos dafür hergeben!“

Mit einer unverwechselbaren Stimme und Kompositionen, die ihr Vorbild in den großen Chansons der Hochblüte französischer Musik haben, mit lateinamerikanischen Melodiesprengseln und höchst zeitgemäßen Melodiebögen, lieferte Frank Ramond mit „Große Jungs“ ein kleines Meisterwerk ab, das das Meiste, was gewöhnlich an Debüts erscheint, weit in den Schatten stellt.

Ein Künstler hat sich selbst gefunden. Und erzählt darüber.

Titelliste:

1. Ich Zähl Bis Drei 3:18

2. Sie Liebt À la Carte 3:18

3. Prenzlauer Zwerg 3:47

4. Direkt auf'm Sofa 2:45

5. Treppenwitz 2:59

6. Sie Wird Sein Wie Sie 2:47

7. Grüßomat 2:53

8. Dämliche Fragen 3:02

9. Ein Kleines Tief 3:05

10. Kauf Es Dir! 2:22

11. Und Jetzt Schäm Ich Mich 3:49

12. Ein Windiger Typ 2:50

13. Das War Doch Gerade Neulich 3:58
 

Quelle: SonyBmg
 

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