Wie oft denkt man bei den Worten "Schönen Gruß von Hans oder Franz..." nur "Ach Gott, der..." und verdreht abwertend die Augen. Wenn jedoch Dieter Kropp uns einen "Schönen Gruß vom Blues" bestellt, hört man gerne genauer hin und freut sich ob der musikalisch überbrachten Grüße.
Dieter Kropp, der von der Gießener Zeitung auch als "Deutschlands Blues-Harp-Papst" bezeichnet wurde, hat in der heimischen Bluesszene schon längst Kultstatus erreicht. Er präsentiert mit seinem bereis im April 2010 erschienenen Album "Schönen Gruß vom Blues" ein Werk, das durchaus für ein großes Publikum geeignet ist. Für alle, die in dieser Szene nicht so bewandert sind, sei erklärt, dass es sich bei der "Blues-Harp" um eine Mundharmonika handelt, die der Detmolder ausgezeichnet zu spielen weiß.
Vom lässigen Big Band Stil, über den guten alten Rock'n' Roll der 50er, leichten Country bis zum klassischen Blues regen alle 14 Titel des Albums zum Fingerschnippen und Mit-dem-Fuß-wippen ein. Die von Felix Janosa und Dirk Schelpmeier geschriebenen Texte versprühen dabei eine charmante Ironie und gehen respektlos ehrlich mit Alltagsthemen um, in die sich der Zuhörer gut hineinversetzt und mit einem leichten Grinsen gutheißt.
Thematisch greift Dieter Kropp und sein Ensemble in den Texten Themen wie die Finanzkrise, multifunktionale Mobiltelefone und Casting Shows auf. Er scheut sich auch nicht mit dem "Klammerblues" über seine zwei Köpfe größere, üppig proportionierte und transpirierende Tanzpartnerin zu singen. Im titelgebenden Song "Schönen Gruß vom Blues" gibt es den ultimativen Tipp zu den ganzen Casting Show Gewinnern:
"Ein tolles Foto, die Musik ist Dreck.
Behalt das Cover, schmeiß die Scheibe weg".
Selten wurde die Castingmanie der Musikschaffenden mit knappen Worten so treffend beschrieben!
"Minus mal Minus, das ist doch Plus.
Ohne das Minus hab ich Überschuss",
ist eine Zeile aus dem Titel "Finanzgenie", der als
Eröffnungslied zu jeder Finanzdebatte im Bundestag passen würde. Ganz
bestimmt wären die Ergebnisse mit einem "Gruß vom Blues" vor den
Debatten auch besser...
Neben den ironisch schnodderigen Texten gibt es auch noch leichte und beschwingte Texte wie zum Beispiel "Dem Fräulein gegenüber fehlen noch die Jalousien" oder dem 50er Jahre Retro Song "Zentrale Tanzschaffe". Beide Songs transportieren den Zuhörer zurück in die Welt der 50er Jahre, und man würde sich nicht wundern, wenn zu den Takten der Musik plötzlich der junge Peter Kraus und Connie Froboess aus den Lautsprechern springen und auf dem Nierentischchen zu tanzen beginnen würden.
Insgesamt ist "Schönen Gruß vom Blues" ein gut arrangiertes Album, das in voller Linie zu überzeugen weiß. Die 14 Titel sind abwechslungsreich und lassen beim Zuhörer keine Langeweile aufkommen. Aufgrund der brillanten Texte ist es dringend empfohlen, dieses Album einmal komplett in Ruhe zu hören und sich dem gekonnten Sprachwitz und den köstlichen Geschichten zu ergeben - wie zum Beispiel der bereits erwähnten, üppig transpirierenden Tanzpartnerin, der man sich nicht entziehen kann, ist sie doch seine Cheffin...
Im Gegensatz zu mancher anderen Scheibe mit ironischen und intelligenten Texten ist der Witz aber auch nach mehrfachem Auflegen nicht verloren!
Hat man die Texte "ausgehört", kann man sich auf das ausgezeichnete Zusammenspiel der Musiker konzentrieren, die mit Spass, Engargement und Können ihre Instrumente bedienen und einfach einen verdammt guten Blues abliefern!